Sinti und Roma

Mögliche Abkürzungen:

  • oder Z.

Die Nationalsozialisten griffen jahrhundertealte Vorurteile gegen Sinti und Roma auf und nutzten diese für die Ausgrenzung der Minderheit. Die meisten Sinti und Roma wurden in der Vorkriegszeit als sogenannte Asoziale verfolgt, weshalb sich auf ihren Haftdokumenten oft die Abkürzung „Z. Aso“ findet. Später verschärfte sich die Verfolgung aus vermeintlich „rassischen“ Gründen: Sie wurden zwangsweise sterilisiert, von der Kriminalpolizei in „Vorbeugehaft“ genommen, in Ghettos im Osten deportiert und in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt und ermordet. In den KZ trugen sie zunächst den schwarzen Winkel der „Asozialen“, später einen braunen, um sie als eigene Gruppe zu kennzeichnen. Erst 1982 erkannte die Bundesrepublik Deutschland die Hunderttausenden getöteten europäischen Sinti und Roma als NS-Opfer an. Eine Entschädigung für die Verfolgung

haben viele Sinti und Roma nicht erhalten.

Name: Johann Trollmann
Geboren: 1907
Beruf: Boxer
Gestorben: 1944, vermutlich im Außenlager Wittenberge erschlagen

 

Er gehörte zu den Sinti und Roma, die schon seit Jahrhunderten abwertend als „Zigeuner” bezeichnet werden. Unter dem NS-Regime galten die Sinti und Roma als „arbeitsscheue, asoziale Elemente”, von denen sich jeder „Deutschblütige” aus „rassehygienischen Gründen” fernzuhalten hatte. Von den etwa 25000 „deutschen Zigeunern” hat etwa nur die Hälfte die Zeit des Dritten Reiches überlebt. Genaue Opferzahlen sind schwer zu ermitteln, da die Begriffe nicht einheitlich waren und die Erlasse sehr unterschiedlich ausgelegt wurden.

Verfolgung und Inhaftierung durch das NS-Regime

Im Juni 1933 boxte Johann Trollmann um den Titel des deutschen Meisters im Halbschwergewicht. Sein Gegner war ein „Arier”: Adolf Witt aus Kiel – blond, deutlich größer und auch schwerer als Trollmann. Zur Verblüffung der Zuschauer beherrschte der vergleichsweise schmächtige Sinto seinen Gegner von der ersten Runde an. Er „tanzte” ihn regelrecht aus, traf nach Belieben und sammelte Punkt um Punkt. Die Punktrichter werteten den Kampf jedoch unentschieden. Die Zuschauer protestierten heftig, so unfassbar schien ihnen das Urteil. Deshalb musste der Veranstalter nachgeben und Johann Trollmann doch noch zum Sieger erklären. Acht Tage später aber erkannte der Boxsportverband dem jungen Sinto alle Titel ab und schloss ihn auch aus dem Verband aus. Trollmann, so hieß es in der Begründung, boxe „artfremd”; sein Boxstil sei voller „Mätzchen” und „nicht deutsch”. Nur einen Kampf durfte er noch durchführen. Johann Trollmann färbte sich die Haare blond und stellte sich wehrlos in den Ring. Deutlicher hätte niemand denP rotest zum Ausdruck bringen können.

In den folgenden Jahren schlug er sich mehr schlecht als recht als Rummelboxer durch. 1939 wurde Johann Trollmann Soldat, verwundet und erhielt Auszeichnungen. 1942 wurde er jedoch aus der Wehrmacht ausgeschlossen, weil er „Zigeuner” war, und in das KZ Neuengamme eingeliefert.

Jetzt teilte er das Schicksal seiner beiden Brüder, die bereits seit Jahren in einem KZ waren. Als die Wachmannschaften in Neuengamme erfuhren, dass es sich bei dem neuen Häftling um den früheren Meisterboxer handelte, vergnügten sie sich mit dem Spiel „Deutscher Meister”: Sie ließen den ausgehungerten und abgemagerten Trollman gegen schwergewichtige Wächter antreten, bis er k.o. geschlagen wurde.