Entstehungsgeschichte

50 Jahre Gymnasium Hückelhoven (1962 bis 2012)

Zum 50jährigen Bestehen (2012) veröffentlichte das Gymnasium Hückelhoven eine Festschrift, in der sich unter anderem auch der nachfolgende Artikel von Karina Bock und Margret Kathrein zur Entstehungsgeschichte findet.

An der Stelle der Hartlepooler Straße, die zwischen Hauptgebäude und Aula verlief, befindet sich heute der Hartlepooler Platz.

„Auf Antrag des Rates vom 24.11.1961 genehmigt der Kultusminister im Einvernehmen mit dem Innenminister des Landes NRW mit Erlass vom 1.2.1962 die Errichtung eines Gymnasiums.“1

Im Ausschuss für weiterbildende Schulen Sitzung vom 5.6.1962 berichtet Herr Studienrat Dr. Stickelmann über die ersten Monate am neu gegründeten Gymnasium. 37 Schüler hatten die Aufnahmeprüfung bestanden, zwei weitere Schüler waren von anderen Schulen hinzugekommen. Der Schulleiter lobte den Leistungsstand der ersten Klasse am Gymnasium, die eine Pflichtstundenzahl von 31 Wochenstunden hatte. „Zu der Frage der Koedukation entsteht eine lebhafte Debatte. Die Anwesenden sind allgemein der Ansicht, dass Mädchen aufgenommen werden sollen.“2

Der Unterricht findet zunächst in unterschiedlichen Gebäuden in Hückelhoven-Ratheim statt; u.a. auch im alten Rathaus in Ratheim.

Die Lernziele sind: „gediegenes Wissen zu erwerben, wissenschaftsbezogene Arbeitsweise einzuüben und heranzureifen zu entscheidungsfreudigen Persönlichkeiten im menschlichen Miteinander und Füreinander“3

Der Bau der heutigen Schule

Gesamtplanung des Zentrums von Christoph Parade

Den Architektenwettbewerb, der am 10.10.1963 ausgeschrieben wurde, gewinnen die Architekten Dipl. Ing. Christoph und Brigitte Parade. Der Bau der heutigen Schule kann beginnen.

Doch wo soll die neue Schule gebaut werden? Mehrere Optionen stehen zur Wahl. Man entscheidet sich für die Rathausnähe und damit für die heutige Stadtmitte von Hückelhoven, damals ein freies Areal mit vielen Ausbaumöglichkeiten. Der Neubau soll in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Baubeginn war der 16.5.1966. Nach dem Hauptgebäude wurde am 20.4.1967 mit dem Bau der ersten Turnhalle und der Hausmeisterwohnung begonnen.

„Ein statistischer Situationsbericht vom 25.8.1968 gibt eine Zahl (Sexta bis Unterprima) des Gymnasiums von 15 Klassen, mit 315 Jungen und inzwischen 167 Mädchen an. Es unterrichten 15 hauptamtliche Lehrkräfte. Zum 1.8.1969 wird mit dem Ausbau des Gymnasiums die Stelle des Schulleiters mit Herrn Dr. Stickelmann besetzt.“4

Die Baukosten der Schule waren erheblich, aber es sollte auch eine besondere Schule sein. „Ist nicht der Sinn einer Schule, Möglichkeiten zu offenbaren, Menschen zu formen … Gute Architektur formt den Menschen, gute Architektur ist geschmackbildend … die reinen Baukosten in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung von 50 Jahren, und so lange sollte ein Gebäude, glaube ich, halten, diese Baukosten betragen nur 5 bis 6 Prozent“, so Professor Parade bei der Einweihungsfeier des neuen Gymnasiums am 14.6.1969.

Staatssekretär des Innenministeriums Dr. Rietdorf, der am gleichen Tag der Gemeinde Hückelhoven-Ratheim die Urkunde zur Erlangung der Stadtrechte verleiht, sieht das Besondere: „Man sieht auch hier nach den Sternen, was offenkundig ist, wenn man das Observatorium sieht, aber verliert auch nicht den Boden unter den Füßen, sondern man bleibt dieser Erde verhaftet, die man ja von der Schachtanlage der Gewerkschaft Sophia-Jacoba bis 800 m tief erobert hat. So kann man sagen, dass vielleicht die Sterne, Schlegel und Eisen, die sich im Wappen dieser Stadt befinden, zusammenhängen und dass die Bürger, sich unter diesen Symbolen nicht nur gemeinsam verbunden, sondern auch gemeinsam verpflichtet fühlen.5

Am 13.1.1973 wird die Aula eingeweiht, die das Schulleben sehr bereichert. Neben Musik- und Theater- finden hier auch zahlreiche Kunstveranstaltungen statt.

Mit dem Schuljahr 1974/75 setzt sich die Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe durch, mit der Gliederung nach Neigungsschwerpunkten in Leistungskurse und Grundkurse, die auch neue Fächer wie z. B. Philosophie und Erziehungswissenschaften zulässt.

Am 25.5.1981 schlägt der Schulausschuss dem Rat vor, „das Einvernehmen zur Einführung der Fünf-Tage-Woche mit einem unterrichtsfreien Samstag im Monat ab dem Schuljahr 1981/82 zu erteilen.“ Dem wird stattgegeben. Zudem sollen die Pausenhöfe mit Bäumen, Bänken und Tischtennisplatten gestaltet werden. Die Hartlepooler Straße, die zwischen Hauptgebäude und Aula verlief, soll abgerissen werden.6

Die Schülerzahl am Gymnasium wächst kontinuierlich. So werden am 17.9.83 ein Oberstufentrakt mit acht neuen Klassenräumen und die Mehrzweckhalle neben der Aula ebenfalls von Prof. Parade geplant, dankbar angenommen.

Im Schuljahr 1990/91 schreibt Herr Dr. Stickelmann im ersten Elternbrief der Schule, dass inzwischen 627 Schüler und Schülerinnen 11 verschiedener Nationalitäten unterrichtet werden. Auch über gesundes Essen macht man sich Gedanken, so gibt es in den großen Pausen Mehrkornbrötchen mit Milchgetränken nach Wahl.

Im Rahmen des Strukturwandels in der Stadt wird der Wunsch einer umfassenderen Betreuung der Jugendlichen laut. Ein pädagogisches Konzept für den Ganztag wird erstellt. Am 4.11.1991 schlägt der Schulausschuss auch auf Wunsch der Schulkonferenz und des Kollegiums dem Rat vor, das Gymnasium der Stadt in eine Ganztagsschule umzuwandeln.

Gsanztagsschule

In der Verfügung des Regierungspräsidiums Köln vom 19.5.1992 wird diesem Wunsch entsprochen und das Gymnasium wird ab dem Schuljahr 1992/93 als Ganztagsschule geführt.7

Die besonders umfassende pädagogische Betreuung der Jugendlichen entlastet die Eltern, da die Mobilität der Arbeitskräfte steigt. Im Schulprogramm steht „Die ganztägige Verweildauer der Schülerinnen begünstigt unsere Aufgabe als Schule, den Bildungsauftrag insofern erweitern zu können, als unser Gymnasium Ort selbstgewählter Aktivitäten ist, die vom Erlernen von Techniken sinnvoller Freizeitgestaltung bis zum Mitwirken und eigenverantwortlichen Umgang miteinander reichen. Es besteht also eine ausgewogene Synthese von Unterricht, freizeitlichen Aktivitäten und Fördermaßnahmen, die solidarisches und individuelles Lernen und Leben miteinander in Einklang bringt.“8

Am 14. Juli 1992 geht Schulleiter Dr. Stickelmann nach 30 Jahren Gymnasium Hückelhoven in den wohlverdienten Ruhestand. Der damals stellvertretende Schulleiter Herr Kremer übernimmt sein Amt. Er war schon seit 1967 Lehrer der Schule. Die Partnerschaften mit anderen Schulen und Ländern liegen ihm am Herzen. 1976 erfolgte der erste Austausch mit unserer Partnerschule in Sittard, Schul-Partnerschaften mit Hartlepool und Breteuil folgten 1983 und 81.

Erprobungsstufengebäude

Die steigende Schülerzahl erfordert erneut eine Schulerweiterung. In der Sitzung vom 4.6.1998 empfiehlt der Schulauschuss „das Gebäude an der Martin-Luther-Straße für die Schule freizugeben sowie 13 neue Unterrichtsräume auf dem Schulgelände selbst zu errichten.“9

C-Gebäude

Der Rat der Stadt stimmt 1999 der Erweiterung mit 13 Unterrichtsräumen, zwei Informatikräumen und Forum auf der Wiese neben dem Erweiterungsbau zu. Zudem sollen die naturwissenschaftlichen Räume im Hauptgebäude renoviert und zwei neue naturwissenschaftliche Fachräume geschaffen werden. Die Schule wird mit neuen Medien ausgestattet.

Zum Schuljahr 2000/01 übernimmt Herr Woltery das Amt des Schulleiters. Die Bauarbeiten in den Naturwissenschaften laufen an und am 7. Oktober 2002 ist Baubeginn des Oberstufengebäudes, des sogenannten C-Traktes. Es erhält nach Süden eine Fotovoltaik-Anlage und zudem ein Gründach, das der Verbesserung des Mikroklimas dient und Regenwasser speichert. Sehr harmonisch fügt sich das Gebäude in den Gesamtkomplex ein. Das Forum im neuen Gebäudetrakt lädt durch die großen Holzstufen zum Verweilen ein. Bestreben des Architekten, Professor Parade, war es, „die architektonischen Voraussetzungen zu schaffen, um den Schülern ein zweites Zuhause zu geben und durch die Mehrfachnutzung den Schulbereich für außerschulische Veranstaltungen zusätzlich attraktiv zu machen.“10

Lernzentrum in der Stadtbücherei

Durch die Spiegelung an der polygonalen Glaswand des Gebäudes erblickt man den Südflügel der Schule, in dem die Stadt-Bücherei untergebracht ist. Hier wird zur Freude unserer Schüler 2009 zusätzlich ein Lernzentrum eingerichtet.

Jugendliche sind Teil des Stadtbildes

Neben der Stadtbücherei liegen aber auch das städtische Rathaus, die Haupteinkaufsstraße sowie das Schwimmbad in unmittelbarer Nähe der Schule, was enorme Möglichkeiten bietet und die Jugendlichen zum Teil des Stadtbildes werden lässt. Die Nähe des Rathauses ist nicht nur räumlich zu sehen, sondern nur durch die enge Kooperation zwischen Schule und Stadtverwaltung konnte die Entwicklung so positiv voranschreiten und das heutige Schulbild entstehen. Eine Schule mit Gebäudeteilen besonderer Atmosphäre, in denen man sicherlich gerne den ganzen Tag verbringt mit Unterricht, der auch individuelle Neigungen ermöglicht, einem vielfältigen und breiten Spektrum an Arbeitsgemeinschaften, differenzierten Förderkonzepten, Projekten, Teilnahmen an Wettbewerben, sowie Sport- und Freizeitbeschäftigungen.

Ein wesentliches Anliegen der Schule ist die enge Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Schülern, um so die bestmögliche Förderung der Jugendlichen zu gewährleisten. Neben der Arbeit in den offiziellen Gremien sowie dem Förderverein unterstützen die Eltern vielfältige Schul-Projekte. Unter anderem wird zu Beginn des Schuljahres 2008/09 im Hauptgebäude ein Schulcafe eröffnet, das durch die ehrenamtliche Tätigkeit der Elternschaft ein sehr beliebter Raum der Kommunikation und Geselligkeit ist.

Aber auch die Individualisierung des Lernprozesses ist ein Anliegen der Schulgemeinschaft. So wird u. a. seit dem Schuljahr 2009/10 allen Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 5, 6 und 7 die Möglichkeit gegeben im Rahmen des normalen Unterrichtes aus einem Angebot von mehreren Kursen einen ProFIL-Kurs nach eigener Interessenlage zu wählen. In der Mittelstufe wird dies durch die Wahl eines Differenzierungsfaches fortgeführt und auch das Fächerangebot in den drei Fachbereichen der Oberstufe bietet eine Vielzahl von Differenzierungs- und Wahlmöglichkeiten. Zusätzlich wird dies durch das vielfältige Spektrum aus den nachmittags angebotenen Arbeitsgemeinschaften unterstützt.

Das Land NRW beschließt ab dem Schuljahr 2010/11 die Verkürzung der Gymnasialzeit von 9 auf 8 Jahre. Die Schule hat mit der Verkürzung schon Erfahrungswerte, da sie Jahre zuvor die Einrichtung einer Profilklasse mit verkürzter Schulzeit eingeführt und hierfür Pläne erstellt hat. In den Leitgedanken zum neuen Schulprogramm, das am 22.3.2011 durch die Schulkonferenz genehmigt wurde, heißt es: „Das Gymnasium Hückelhoven führt Schülerinnen und Schüler in acht Jahren zum Abitur; mit der Versetzung in die Qualifikationsphase erwerben sie den mittleren Bildungsabschluss. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag mit seinen Kerngedanken Kompetenzvermittlung, individuelle Förderung und Werteerziehung bestimmt unser Handeln. Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung und Hinführung zum wissenschaftspropä-deutischen Arbeiten sind als Ziele des gymnasialen Bildungsganges für uns vorrangig.“

2010 wechselt Herr Woltery zur Bezirksregierung und Frau Sanders-Edel übernimmt kommissarisch das Amt der Schulleitung. 2012 übergibt sie 122 Schülerinnen und Schülern ihre Abiturzeugnisse. Insgesamt werden jetzt 1057 Jugendliche von 78 Lehrkräften am Gymnasium unterrichtet.

In den 50 Jahren haben 2697 Schülerinnen am Gymnasium Hückelhoven ihr Abitur bestanden und damit die Hochschulreife erworben.

Für die Zukunft bleibt zu wünschen, dass es gelingt, die Freude am Wissenszuwachs, am gemeinsamen Lernen und Lehren zu erhalten, was sicherlich nur durch gemeinsames Handeln aller Beteiligter denkbar ist.

Wir danken Herrn Helmut Holländer, Herrn Christoph Parade und Angelika Stöcker für ihre Unterstützung.

  1. Verwaltungsarchiv der Stadt Hückelhoven; Archiv-Nr. 164
  2. Stadt-Archiv Hückelhoven: Nr. 103
  3. Aus der Geschichte der Stadt Hückelhoven von Johannes Bürger Literatur-Nr. 56
  4. Stadt-Archiv Hückelhoven: Nr. 103
  5. Stadt-Archiv Hückelhoven: Nr. 164
  6. Stadt-Archiv Hückelhoven, Schulausschuss-Niederschrifcen: Nr. SO
  7. in   Anlehnung  an:   Stadt-Archiv   Hückelhoven,   Schulausschuss Niederschriften: Nr. 77
  8. Schulprogramm des Gymnasiums von 2001
  9. Stadt-Archiv   Hückelhoven,   Niederschriften   Schulauschuss:   Nr. 1688
  10. Prof. Parade bei der Einweihungsfeier im Februar 2004