Michael Emge – einer der wenigen noch lebenden Schindler-Juden berichtet von seinen Erinnerungen an die Zeit im Lager Plaszow

Am Freitag, den 16. Mai 2014 fand in unserer Schule diese ganz besondere Veranstaltung für Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und der Oberstufe sowie geladenen Gästen statt. Vorbereitet und organisiert wurde sie aus der Teilkonferenz Schule ohne Rassismus, insbesondere durch Frau Kaumanns.

Unter dem Titel „Spiel mir das Lied vom Leben“ berichtete Herr Michael Emge, einer der wenigen noch lebenden Schindler-Juden, von seinen Erinnerungen an die Zeit im Lager Plaszow unter dem berüchtigten Kommandanten Amon Göth. Dazu gehört auch die Rettung durch Oskar Schindler, der in Steven Spielbergs Film Schindlers Liste in gewisser Weise ein mediales Denkmal gesetzt bekam.

Begleitet wurde Michael Emge von der WDR-Redakteurin Angelika Krumpen, die das Buch „Spiel mir das Lied vom Leben“ verfasst hat. Sie schildert darin die Begegnung der erst zwölfjährigen Geigerin Judit und Michael Emge. Die Liebe zur Musik verbindet beide und lässt eine ungewöhnliche Freundschaft entstehen, die immer wieder auch die Frage nach dem Damals stellt. Vor diesem Hintergrund moderierte Frau Krumpen sehr behutsam und dennoch ambitioniert diese Veranstaltung, die durch Filmausschnitte und Musikeinspielungen unterlegt wurde. 

Heute ist Michael Emge ein hoch betagter und sehr kranker Mensch. Dennoch ist es ihm ein großes Bedürfnis, von jener Zeit zu reden, und zwar vor allem vor jungen Menschen, um die Erinnerung an die nationalsozialistischen Untaten als Mahnung wachzuhalten. Wie wichtig das auch heute noch ist bezeugt allein die Tatsache, dass Michael Emge ein Kunstname ist; dazu sah sich Herr Emge genötigt, da er immer wieder als ehemaliger Verfolgter des Nazi-Regimes und jüdischer Mensch von Rechtsextremisten bedroht wurde.

So gelang es, diese für die heutige Generation junger Menschen so unfassbare Zeit atmosphärisch ganz dicht präsent zu machen, zu zeigen, wie die tägliche Existenzbedrohung mit permanenter Willkür belegt war, so dass das Leben eines Menschen nichts mehr wert war. Herr Emge sagte dazu: "Letztlich konnte niemand die Gesetze in Plaszow wirklich verstehen. Es gab tausend und ein Gesetz. Wenn man eins übertrat, dann konnte das den sofortigen Tod nach sich ziehen. (...)"

Mit diesen bewegenden Erinnerungen erreichte Herr Emge in der zweieinhalbstündigen Veranstaltung seine Zuhörer, was sich gerade auch in den Wortbeiträgen und Fragen der Schüler zeigte. Deshalb sind wir als Schule sehr dankbar, dass diese Begegnung möglich war. Dieser Dank gilt insbesondere dem Förderverein unserer Schule für seine großzügige Finanzierung sowie der Stiftung des Sparkassenverbandes für seine Unterstützung.

Uns ist es als Schule ohne Rassismus wichtig, mit der Erinnerung das Mahnen zu verbinden und deutlich zu machen, dass es nicht die „unmenschlichen Zeiten“ sind, sondern Menschen, die menschenverachtend und grausam handeln. Umso beeindruckender war es, dass am Ende für Herrn Emge das Bekenntnis zum Leben und zur Hoffnung in die jungen Menschen stand.

(B. Fluhr-Leithoff)