Gedenktafel für Jerzy Gross

Am Montag, den 16. November 2015 wurde die Bronzetafel der Künstlerin Sophia Pechau in der Westendstraße in Köln enthüllt. Sie erinnert an Jerzy Gross, der den Holocaust als Junge von Schindlers Liste überlebte.

Das Gymnasium Hückelhoven war die letzte Schule, die er besuchen konnte, und so wurden wir gebeten, bei der Gedenkveranstaltung in einer kleinen Ansprache unsere Erinnerungen an Jerzy Gross vorzutragen. 

Als er am 16. Mai 2014 bei uns in der Schule unter seinem Pseudonym Michael Emge zu Gast war, war er schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet. Zwei Monate später verstarb er. In der Information des Freundeskreises heißt es: "Mit aller Macht, mit großer Unbeugsamkeit hat sich Jerzy Gross gegen seine Krankheiten gestemmt. Der Parkinson nahm ihm die Geige, die Dialyse die Freiheit, der Krebs den Körper. Sein Überlebenswillen war phänomenal. Nur sehr schweren Herzens ließ sich Jerzy Gross aus dem Leben, das er so gerne noch weiter gelebt hätte, reißen." Kurz vor seinem Tode sagte er: „Vergesst mich nicht. Aber habt Spaß." 

Mit Hilfe eines Unterstützerkreises und der GAG (der Wohnungsbaugesellschaft) die Bronzeplakette dort angebracht, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte.

Gedenkfeier für Jerzy Gross

Am 16. 11. 1929 wurde Jerzy Gross in Krakau geboren. Genau 86 Jahre später wurde nun ein Denkmal für ihn enthüllt. Die letzten Jahre seines Lebens hat Jerzy Gross in einer kleinen Siedlung im Westen Kölns verbracht und dort befindet sich auch seine Gedenktafel, die heute präsentiert wurde. Ich finde es sehr wichtig, dass es dieses Denkmal gibt, denn es erinnert an Jerzy Gross und seine Geschichte. Und das ist genau das, was er erreichen wollte. Ich persönlich denke dabei an den Besuch, den Jerzy Gross unserer Schule abgestattet hat. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie berührt und entsetzt ich von den Geschichten war, die er uns von seiner Verfolgung und seiner Zeit im KZ erzählt hat. Auch wenn wir viel über den Holocaust im Unterricht sprechen, ist es viel schockierender mit jemandem reden zu dürfen, der dies selbst erlebt hat. Ich bin sehr dankbar, dass Jerzy Gross unsere Schule trotz seiner Krankheit besucht hat und hoffe, dass die Erinnerung an ihn und seine Arbeit als Zeitzeuge noch lange erhalten werden.

Die Gedenkfeier hat auch meine Erinnerung wieder aufleben lassen und bot mir die Möglichkeit, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen. Es war trotz allem keine Trauerfeier, denn das hätte Jerzy Gross nicht gewollt. Wir erinnern uns mit Freude an ihn und danken ihm dafür, dass er uns an seiner Geschichte teilhaben ließ und so seine Erinnerungen bewahrt werden.

Charlotte Sachs