Ziele des Kunstunterrichts
2. Was kann und will unser Kunstunterricht leisten?
Kunstunterricht ist sicher nicht als ein
Heilmittel gesellschaftlicher Probleme zu verstehen und zu
instrumentalisieren. Im Kunstunterricht gehen die Schüler aber in
vielfältiger Form mit Bildern, Materialien, Arbeitsprozessen und
Kommunikationsformen um, entfalten eine eigene ästhetische Praxis und
entwickeln ihr Wahrnehmungs- und Beurteilungsvermögen. Hierbei
verständigen sie sich über eigene und fremde Bilder und Wahrnehmungen
sachkundig und kriteriengeleitet. Der Wahrheitsgehalt der Bilder kann
so kritisch hinterfragt und eingeordnet werden. Ziel ist ein emanzipierter Umgang mit Bildern.
Im Kunstunterricht kann ein Bedürfnis nach manueller Tätigkeit, nach
materieller Auseinandersetzung, nach kreativen Experimenten und dem
Erfinden eigener Bilder ausgelebt werden. Kunstunterricht hat hier auch
eine kompensatorische Funktion.
Häufig wird allerdings der Begriff der Kreativität und Selbstentfaltung
im praktischen Bereich mit willkürlicher Entäußerung verwechselt. Der
Freiraum des Betrachters ist keineswegs grenzenlos und unabhängig von
der Gestaltung. Hier gilt es systematisch analytisches und technisch-gestalterisches Fachwissen zu vermitteln.
Kunstunterricht hat vor allem aber auch einen kulturellen Wert.
Lernen an und von Kunstwerken heißt, die Meisterschaft einer Gestaltung
nachvollziehen und wertschätzen zu können, die Gestaltungsvielfalt in
historischen, gesellschaftlichen und individuellen Kontexten sehen zu
können, gewachsene Kultur nachzuerleben und als solche zu verstehen.
Kunst transportiert Einstellungen, Weltsichten, Lebensgefühle und
Wahrnehmungsweisen, die beispielhaft Anregungen für die eigene
Wirklichkeit bieten.
Kunst hat einen Wert aus sich heraus. Um intensiv sinnlich und gewinnbringend wahrnehmen zu können, müssen Wahrnehmungsprozesse durch die kognitive und haptische Auseinandersetzung mit den Bildwerken verlangsamt werden.
Ein gelungener Kunstunterricht ist dann gegeben, wenn die Schüler
ihre Erkenntnisse aus dem Unterricht in ihre Lebenswelt einbinden
können, wenn das urmenschliche Bedürfnis nach Gestaltung, Ästhetik,
Geschichten und Sinnesfreuden angeregt und bereichert wird und dadurch
möglichst lebenslang Spaß am Umgang mit Bildern und der eigenen
ästhetischen Praxis erwächst.